Tja, seit ich vor einer Woche hier in Lublova angekommen bin, ist alles nur schief gegangen - bis gestern Abend:
Der Borat, der ist ja Reporter und wurde darum in Lutenblag nach zu vielen neugierigen Fragen ins Gefängnis gesteckt (er behauptet zwar, dass er immer höflich geblieben sei, aber ich muss ehrlich zugeben, dass sein Englisch sehr mangelhaft ist und ich des Kasachischen nicht mächtig bin, darum habe ich so manchen Zweifel darüber, ob ich ihn richtig verstanden habe), der Borat also hat es nicht geschafft, dass wir unbemerkt in diesem Städtchen ankamen, nein, er musste gleich seine Kamera zücken.
Natürlich hat uns die Polizei unter die Lupe genommen, aber nach fünfzehn Flaschen zvadovar (Chicorée-Extrakt, ein Nationalgetränk) waren wir dicke Freunde und dürfen nun in ständiger Begleitung alles anschauen. Das heisst konkret, dass wir übererallhin mitgeschleickt werden, in den Hünerstall des Stadtpräsidenten, an die Anrede des neuen Rektors der Universität, zum Hahnenkampf, von Saufgelagen muss ich ja gar nicht erst zu erzählen beginnen. Die Folge davon ist, dass ich gar nicht mehr zum Berichterstatten komme, weil die uns immer irgendwo hinzerren, vorgestern waren wir an der Beerdignung der Grossmutter des Schwagers des obersten Autohändlers etc. Natürlich verstehen wir kein Wort von all dem, was uns gesagt wird, aber eines haben wir verstanden: die Leute in Loblova dulden keinen Widerspruch.
Lublova wird eigentlich als schöne Stadt beschrieben, mein Reiseführer meint dazu:
Obwohl Lublova nicht über die bemerkenswerte natürliche Schönheit der Dörfer weiter im Westen verfügt, kann die Stadt doch dem furchtlosen Touristen einiges bieten, wenn dieser bereit ist, die schwierige Reise über das karge Hochplateau zu dieser faszinierenden Grenzstadt zu unternehmen. Hier fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt, zumindest was Verkehrsmittel und Unterkunft angeht, und ist allenthalben umgeben vom Charme der Alten Welt.
Zwar sind Teile der modernen STadt mit hren Fabrikgebäuden und riesigen Wohnblocks alles andere als attraktiv, aber immer, wenn man gerade verzweifeln möchte, biegt man um die Ecke und erblickt plötzlich eine atemberaubende Kirche oder einen verschwiegenen kleinen Platz.
Die Ordnungshüter, die uns unter ihre Fittiche genommen haben, waren selber noch nie im Zentrum, also haben auch wir dementsprechend unsere letzten Tage in romantischen Plattenbauquartieren verbracht. Gestern Mittag sind wir abgehauen (wir haben uns schändlich aus dem Gottesdienst zur Neujahrsfeier geschlichen, die Molwanier sind Orthodox und folgen dem Julianischen Kalender) und sind so zufällig in ein Lokal mit guter Livemusik gekommen. Aber davon erzähle ich später.