Seit einer Woche wohne ich nun in Dzrebo, das liegt ca 20 km nordwestlich von Lublova. Ich habe mich gemütlich eingerichtet in einem Zimmer und habe vor, in den nächsten paar Monaten hier zu bleiben, denn es eignet sich bestens zur Beobachtung der molwanischen Sitten, Dzrebo ist eine verschlafene Stadt in den östlichen Steppen des Landes.

In Dzrebo, einer alten Bergbaustadt, entdeckte man im Mittelalter Silber, und wenn diese Edelmetallvorkommen nur ein paar Jahrzehnte länger gereicht hätten, so wäre die Stadt, wie dessen Bewohner behaupten, eine bedeutende europäische Stadt geworden. Heute ist der Ort ein bedeutender europäischer Lkw-Rastplatz and der Fernstrasse von Lutenblag über Lublova nach Osten.

Dzrebo selbst besteht aus drei alten Weilern: Sektor 1, Sektor 2 und Zibruzzka ("Das Minenfeld"). Leider ist die Arbeitlosigkeit in Dzrebo sehr hoch; dies hat zur Entwicklung einer Unterschicht von Bettlern geführt, von denen viele an den Strassenecken stehen und Passanten angehen. Diese armen Seelen mögen völlig heruntergekommen wirken, aber wenn es darum geht, milde Gaben zu fordern, sind sie doch recht gut organisiert. Einige von ihne akzeptieren sogar Kreditkarten.

Sie sind übrigens die einzigen in der Stadt, die diese Zahlungsart akzeptieren, kein Hotel, Restarant oder Laden würde sich zu so etwas entschliessen können. Ich wohne im Sektor 1, die Nachbarschaft würde ich nicht gerade als romantisch oder pittoresk bezeichnen, aber sie hat ihren Charme.
quartierverkäuferinnen

Die Verkäuferinnen, gleich um die Ecke von meinem Zimmer, sind übrigens ein Musterbeispiel molwanischer Verkaufskunst, man darf nichts anfassen, keine Fragen zu den Produkten stellen, Rückgeld gibt's sowieso keines, und wenn sie denn Zeit haben, darf man vielleicht etwas kaufen, aber sie in ihrem Gespräch zu unterbrechen gilt als äusserst unhöflich. Wenn man es sich trotzdem erlaubt, als Landesunkundige, wird man mit einem Schwall unverständlicher Worte übergossen und muss zuschauen, so schnell als möglich weiterzukommen, bevor der Bruder der linken Frau sich der Sache annimmt. Gestern habe ich gesehen, wie er eine alte Frau einfach so unter seine Gorilla Arme genommen hat und fünf Strassen weiter wieder absetzte. Damit sie so schnell nicht mehr am Stand seiner Schwester auftaucht. Dabei hat er ihr Gezeter mit einem knurrenähnlichem Laut locker überdeckt.