Die Molwanîer sind ein lustiges Volk, sie lachen und tanzen gerne. Immer hat jemand ein Musikinstrument dabei, und es stört niemanden, wenn es falsch tönt.

Mit Borat wurden wir im Zentrum gleich in eine Beiz gezerrt, wo die beiden Herren oben ein Ständchen hielten. Natürlich ist das Feiern immer eine sehr nasse Angelegenheit, seither wurden wir von unzähligen Menschen zu sich auf's Wochenendhaus eingeladen, damit sie uns ihre absurden Geschichten erzählen und wir ihren selbstgebrauten Schnaps degustieren konnten.
Die Photos von diesen Ereignissen sind nicht allzu scharf, woran das liegt, müsst ihr Borat fragen, wenn er denn fähig ist, eine Antwort zu formulieren. Überhaupt kommt der erst richtig in Schwung, wenn der Alkohol fliesst und es lärmig ist um ihn herum. Nach drei Wochen geteilter Reise habe ich ihn darum alleine weitergeschickt. Er versprach, mich in Dzrebo besuchen zu kommen, wo ich unterdessen ein kleines Zimmer gemietet habe bei einem alten Ehepaar, aber dazu in einem späteren Eintrag.
An einem Samstag hatten wir übrigens die Gelegenheit, eines der vor uns so oft gelobten Spatzal! Revivals zu sehen! Vom Veranstalter wurden sie wie folgt angekündigt:
Spatzal!
Zwei Mädchen, ein Junge und ein Transvestit bilden Molwanîens erfolgreichste Popgruppe, die vielfach preisgekfönte Band Spatzal!, die 1998 im Grand Prix Eurovision den fünften Platz belegten mit ihrem ansteckenden Tanzlied Vlarsh ei Czolom ("Deinen Boogie tu ich zappeln"). Leider löste sich die Gruppe 2001 auf; der Bassist Vron Gzapaov bereitet ein Soloalbum vor. Ihr Einfluss ist jedoch so gross, dass noch immer zahlreiche Spatzal!-Revival-Bands die umliegenden Länder bereisen. Heute Abend und exklusiv für Sie ist die Gruppe noch einmal in der Originalformation im Hotjl Fzor Ztejl zu hören, zum Glück ohne den Leadsänger.
Logischerweise fand das Konzert auf der berühmten Dachterrasse des Hotels statt, schliesslich lässt man sich hier in Molwanîen nicht durch den Winter von solchen Vergnügen abhalten! Zudem ist das Hotel sehr zentral gelegen:
sagt mein Reiseführer. Natürlich hat der den Ton genau getroffen. Das Durchschnittsalter der Zuhörer lag wahrscheinlich bei 55, die meisten sind schon am Morgen angereist, um sich langsam die Treppen bis auf's Dach hochzuschaffen, das alleine war schon ein ganzes Spektakel.Am Rande des Grossen Platzes in der Altstadt befindet sich das imposante Hotjl Fzor Ztejl, ein prächtiges sechsgeschossiges Gebäude. Das "Ztej", wie es liebevoll genann wird, hat alles, was man von einem Luxushotel erwarten kann, ausser verlässlichen Wasserleitungen und einem Aufzug. Die meisten Zimmer bieten einen prächtigen Ausblick auf das benachbarte Wohnsilo. Ferner gibt es einen Dachgarten, auf dem Gäste sich entspannen können, umgeben von einer grossen Auswahl molwanischer Disteln.
Da es auf der Terrasse weder Elektrizität noch Absperrungen gab, entschied der Hotelmanager kurzerhand, die Band unplugged spielen zu lassen und die äussersten Disteln als Fakeln anzuzünden, damit die Zuhörer nicht über den Rand nach unten fallen. Es ist denn auch nichts passiert ausser dass ein älterer Zuhörer beim Anblick der brennenden Disteln einen Herzinfarkt hatte. Anscheinend war er ein führender Biologe Molwanîens gewesen. Der Arzt, der unglaublich schnell zur Stelle war, wollte ihn mit einem Glas Wasser wieder zum Leben erwecken, leider war der Wasserträger nicht flink genug, um die 6 Stockwerke runter, zu den Nachbarn, und wieder auf die Terrasse hoch zu rennen, ohne dabei das Glas Wasser zu verschütten, der Biologe hat sich so ganz schnell ins Distelparadies verabschiedet.

