In Molwanien scheint ja bekanntlich die Sonne immer dann, wenn man sie nicht will, zum Beispiel wenn man Kopfschmerzen hat, oder gerade nach der letzten Augenoperation, oder wenn man für 4 Wochen im Gefängnis sitzt weil man zur richtigen Zeit am falschen Ort war, und niemand zu Hause die Pflanzen giesst, dann scheint sie so brutal, dass auch die robustesten Kaktusse in Ohnmacht fallen und nachher die Wiederbelebungsmassnahmen durch Sprit, Viagra und Dauersprenkeln auch nichts mehr helfen.
Trotzdem haben es meine neuesten Nachbarn geschätzt, dass letzte Woche ein sonniger Tag war, sie konnten sich so richtig im Dreck suhlen, denn dazu sind sie da: Wollschwein Rzorci sowie seine kleine Schwester Zjippy.

Zjippy ist übrigens nach einem berühmten Lokal in Bardjov benannt, wo es sein stolzer Besitzer vor drei Wochen erstanden hat. Er schwärmt jetzt noch davon:
"Pitsa Parlours" werden in der City von Bardjov immer beliebter; eines der neuesten ist Zjippy, ein bei Studenten un männlichen Obdachlosen besonders beliebtes Lokal. Es gibt zwar einen begrenzten Lieferservice zu den umliegenden Hotels, aber wegen der unzuverlässigen Transportfahrzeuge kann es sein, dass die Bestellugn erst am nächsten Tag zugestellt wird. Aber nicht verzweifeln - die Pizzen sind auch kalt köstlich!
Mein Nachbar hatte Pizza Prosciuto bestellt, die ist aber nie angekommen, weil kurz davor das Wollschwein, das auf der Pizza hätte landen sollen, reissaus genommen hatte. Meinem Nachbarn ist es nach einer spektakulären Aktion in der Kanalisation von Bardjov gelungen, das Schwein wieder einzufangen, und darauf hat er es kurzerhand nach Dzrebo zurückgebracht, weil er ja für die Pizza bezahlt hatte, die aber nie geliefert wurde. So wurde Zjippy zu meiner grunzenden Nachbarin.
Bardjov (ausgesprochen Barditschejzoff) ist eine der grössten und lebhaftesten Städte in Ostmolwanien. Es ist eine kulturelle und historische Metropole; ausserdem kommen von hier etwa 70% der Zementproduktion des Landes. Die Stadt liegt auf der offenen Ebene der molwanischen Tundra und leidet oft unter dem starken Bora-Wind aus dem Osten. Nie um einen guten Einfall verlegen beschloss die Stadtverwaltung, dieses ganzjährige Phänomen zu nutzen, indem sie am Stadtrand eine Windfarm einrichtete. Bedauerlicherweise wurden drei der vier massiven Turbinen umgeweht, so dass dieses ehrgeizige Projekt nie sein volles Potential erreichte. Wegen des Winds und schlechter Bodennutzungsverfahren ist der ganze Landstrich nahezu frei von Vegetation, aber eben diese Kargheit gibt dem Vorposten in der Provinz seinen eigentlichen Charme.
